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Salut les amis,

jeder kennt sie, jeder hatte sie schon und jeder kämpft von Zeit zu Zeit damit.

Selbstzweifel, Bedenken, schwankende Ungewissheit, Skepsis. Doch was wenn einen dieses Gefühl eine halbe Ewigkeit begleitet? Und was, wenn man mit dieser Skepsis sehr gut leben kann und sogar glücklich ist? Ist es wirklich so schlecht skeptisch zu sein?

Vielleicht fange ich mal ganz von Vorne an. Als Kind ist man glaube ich ziemlich zufrieden mit allem, was einem vorgegeben wird. Denn alles, was unser Leben bestimmt dreht sich um die Familie. Und alles, was die Familie vorgibt, ist das Richtige! Ergo…glücklich! Zumindest ging es mir so. Meine Familie war alles für mich. Ist sie heute noch, allerdings, sehe ich viele Dinge anders und nehme nicht mehr alles für bare Münze. Damals konnte meine Mutter mir alles weiss machen, ich hätte es ihr geglaubt. Ich wähnte mich in absoluter Sicherheit, denn meine Familie war immer da und hatte vor allem Antworten auf ALLES!

Sobald man anfängt einen größeren sozialen Kreis um sich zu ziehen und die Perspektive zu ändern, fangen langsam die Zweifel an. Das ist noch kein Problem, denn je jünger, desto flexibler kann man alles um sich herum anpassen. Und wenn man ein Kind ist, hat man auch den Wunsch sich den anderen anzupassen. Ich habe mir früher immer vorgestellt, dass ich mir von jedem Menschen, den ich kennen lernte ein Stück Charakter abbreche und in mich einpflanze. Natürlich nur die Charaktereigenschaften, die mich faszinierten. Nach dem Motto…ich bastle mir eine Persönlichkeit! Ich gehe zum „Charakter-Friseur“ und voilà…so gut wie neu! Ich war groß im Charaktersammeln! Meine Sammlung umfasste unzählige Eigenschaften. Ich beherrschte diese nicht alle, aber wenn mir danach war, arbeitete ich fleißig daran diese auszubilden. Diese Idee des Charaktersammelns begleitet mich heute noch. Ich schmunzle darüber, aber der Gedanke lässt mich nicht mehr los

Schwieriger wurde es als junge Erwachsene. Nun wendete sich das Blatt und man reevaluierte sein eigenes Sein! Ich ging gedanklich die Charaktersammlung durch und schaute, welche Eigenschaft passt noch und welche nicht. Von vielen habe ich mich getrennt und plötzlich wurden die gefährlicheren, verbotenen Eigenschaften viel interessanter. Bzw. Eigenschaftsbedeutungen veränderten sich plötzlich. Mut bekam einen ganz neuen Anstrich und Anpassung war langweilig.

Als Erwachsene findet man meist seinen Weg. Die Frage, die ich mir aber immer wieder stelle ist, was wäre wenn. Ich bereue keine meiner Entscheidungen, dennoch, was wäre wenn ich einen anderen Weg gegangen wäre? „Should have, would have, could have“.

Es sind ja nicht immer lebensentscheidende Dinge, die man verändern will, manchmal sind es nur kleine Dinge, die aber einen immensen Impakt auf alles haben können. Beispielsweise sich zu entscheiden sein Auto zu verkaufen, dadurch mehr Fahrrad zu fahren, dadurch gesünder zu sein, dadurch die Umwelt zu schonen, dadurch Vorbild für die Kinder zu sein. Mehr Bahn fahren und entspannter zu Hause anzukommen, weil man sich nicht mehr über die schlechten Fahrer aufregt oder über den lahmen Verkehr. Oder vielleicht doch lieber Fahrrad, es fahren so viele komische Gestalten Bahn. Man könnte sich aber auch entschließen so etwas banales zu tun wie sich selbst zu reorganisieren. Sprich, morgens früher aufstehen und joggen zu gehen.

Vielleicht entscheidet man aber auch, dass man jahrelang einen Job gemacht hat, den man eigentlich nie machen wollte. So gut man in diesem Job auch war, es war vielleicht nie das, was man wollte. Man gibt sich zu einfach mit manchen Dingen ab, weil sie bequemer sind. Sich mit diesem Gedanken zu befassen ist der Anfang einer Veränderung. Mutig genug zu sein, diesen Job auch einen Moment los zu lassen und sich nur vorzustellen, was wäre wenn ich kündige, kann schon sehr therapeutisch sein. Man geht gedanklich alle WorstCase-Szenarien durch und kann so bereits Lösungen an der Hand haben. Diese Szenarien spiele ich oft durch. Das klingt nach Kaffeesatz-Philosophie, es hilft mir aber, wenn ich mir vorstelle, was im schlimmsten Fall passieren könnte. Ich bin aber auch ein durch und durch positiver Mensch. Diese Gedanken ziehen mich in keiner Weise runter. Diese Gedankenspiele helfen mir aber mit beiden Beinen auf dem Boden zu bleiben.

Im Grunde halten wir alle zu sehr an Materiellen Dingen fest. Einen Job zu haben hier in Deutschland wird leider viel zu sehr mit Wohlstand, Sicherheit und Kontinuität gleich gesetzt. Das war vielleicht vor einigen Jahren noch der Fall, aber heute herrscht überall „higher and fire“-Stimmung. Das finde ich persönlich befreiend, denn nun zieht die Entschuldigung der Sicherheit nicht mehr! Von vielen hört man auch: „Da bin ich schon zu alt für“, „Du bist ja noch jung, Du hast noch alles vor Dir“. Was heißt das? Ist man ab 45 aufwärts etwa schon tot? Darf man mit 35-40 keine Träume mehr haben. „Sorry the bubble just popped“ Pah! Alle Beschweren sich und nichts passiert. Der Wohlstand macht uns lethargisch. Der Konsum macht uns blind. Eine Alleinerziehende Mutter wird sich vielleicht all diese Fragen nicht stellen. Aber selbst in einer scheinbar ausweglosen Situation, wissend das sie in Deutschland lebt, wäre eine radikale Umorientierung möglich. Wenn man sich etwas schlau anstellt, wird man immer etwas zu Essen und ein Dach über dem Kopf haben. Und das sind doch die wirklich wichtigsten Dinge. Alles andere ist Schnick Schnack. Es geht nicht darum den erfüllenden Job zu finden, sondern das erfüllende Leben!

Ich nehme ja Gott sei Dank nicht mehr alles für bare Münze und wenn ich das brauche, dann ziehe ich eben einen anderen Charakterumhang an. Und plötzlich bekommt das Wort Mut wirklich einen Sinn und Skepsis ist der Motor für Veränderung. Aber diese Veränderung funktioniert eben nur, wenn Skepsis und Mut sich vereinen.

Was ich schreibe ist nicht nur so daher gesagt. Ich erlebe es täglich. Sich von der Angst zu lösen, die Dinge nicht mehr zu besitzen, die man hat, befreit und macht einen leichter auf dem Weg zur Veränderung.

Ich halte mir immer vor Augen, dass ich nur einmal lebe und das ich dieses Leben nicht verlassen möchte ohne es wenigstens versucht zu haben. So auch mit diesem Blog. Vielleicht liest man ihn, vielleicht eben auch nicht. Wenn nicht, dann habe ich es aber versucht und etwas getan, dass ich wollte.

Hier noch zwei Links, die Euch vielleicht interessieren könnten:

Zum Thema Downshifting/ Minimalismus:
https://charmeundmelone.wordpress.com/2015/06/03/down-shifting-slow-move-ment-green-up/

und auch noch was anderes, warum es ungerecht ist Mutter zu sein:
https://charmeundmelone.wordpress.com/2015/05/10/mama-ante-portas/

Atā!

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2 Kommentare zu “DIE KAFFEE-SATZ PHILO-SOPHIE

  1. Pingback: SUMMERHOLIDAY PART I / vintage, music and precious moments | Charme und Melone

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