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Salut,

Wenn ich in Frankreich bin, unterhalte ich mich auf muttersprachlicher Ebene, ich denke französisch, wenn ich aber dann zurück nach Kölle komme, dann passiert irgendwo zwischen Paris und Köln, wahrscheinlich in Aachen folgendes: Ich switche im Kopf ins Deutsche um. In Deutschland spreche ich auf der Umgebungsebene. Um mich herum sprechen alle Deutsch, somit ich auch! Ich habe mich jedoch auf der ganzen Fahrt mit der Familie auf Französisch unterhalten. Mein Kopf denkt also schon Deutsch, meine Zunge aber noch nicht. Jetzt kommt aber noch meine Gewissensebene hinzu. Diese Ebene möchte unbedingt, dass die Kinder Französisch lernen. Und ich weiss ja, dass eine Sprache nur perfekt erlernt, wenn sie konsequent gesprochen wird. Die Gewissensebene ist ziemlich tricky. Denn Sie hindert mich ehrlich gesagt am unbeschwerten Sprechen. Ich sitze also im Auto und versuche mir eins abzubrechen mit folgenden Sätzen: „Kannst Du mir…ähm…peux tu me passer le…le…trucmuche?“

Trucmuche ist ein großartiger Lückenfüller, wenn man mal wirklich nicht mehr auf das Wort kommt, das man sucht. Problem ist nur, dass meine Familie dann wirklich nicht weiß, was gemeint ist. Verständnisebene = 0. Ich könnte es ja auf Deutsch sagen, aber nein nein, meine Gewissensebene lässt das nicht zu. Stattdessen greife ich auf ein so profanes Wort wie trucmuche zurück, in der Hoffnung, dass alle wissen, was ich meine und man mir das Wort vielleicht zuspielt. Wieso komme ich nicht auf dieses bekloppte Wort? Ich weiss ja, dass ich es gestern noch verwendet habe, ich komme aber nicht mehr drauf. Was ist da in meinem Kopf los. Wie gesagt, ich hätte das Wort ja auf Deutsch sagen können, aber nein. Ich suche verzweifelt weiter…irgendwann reicht’s mir. Jetzt sag ich es einfach auf Deutsch…doch was ist da jetzt los. Ich weiss das Wort auch auf Deutsch nicht mehr. Meine Güte. Ich werde verrückt. Schnell mal nachdenken. Wer bin ich…ok. Ich weiß noch wer ich bin. Welche Sprachen beherrsche ich…ah ja. Ah vielleicht weiss ich das Wort auf Englisch oder gar Armenisch. Nee, also im Armenischen kenn ich das Wort nicht, aber im Englischen.

„Peux tu me passer le…charging cable“ Und jetzt komme ich auch wieder aufs Deutsche und Französische Wort. „Ladekabel“ und ganz simple „le chargeur“. Das, was ich hier so minutiös beschreibe, passiert im Auto im Bruchteil von Sekunden und ich komme ja auch wieder auf das Wort, aber interessant, was mein Kopf da mit mir angestellt hat.

Wenn dies mit komplexeren Worten passieren würde, dann würde ich es ja verstehen. Nein, es sind meist einfache Worte, die mir dann entfallen. Die wirklich komplexen Worte fallen mir meist problemlos ein? Ist mein Gehirn überlastet??  Werde ich vergesslich???

Vielleicht hatte ich einfach zu viel zu tun. Vergessen ist furchtbar nervig aber keineswegs nur schlecht. Mit all den Informationen, die täglich in uns reinströmen, ist filtern die größte Fähigkeit des Gehirns. In einem unaufgeräumten Zimmer findet man auch manchmal Dinge nicht mehr. So ist das mit dem Gehirn. Meins scheint manchmal ein unaufgeräumtes Zimmer zu sein.

Um es aufzuräumen muss ich lediglich die Freiheitseben meiner Sprachen einschalten. Diese Ebene schaltet jegliche Ängste aus. Die Angst etwas falsches zu sagen, die Angst davor grammatikalisch zu versagen und die Angst nicht die richtigen Worte zu finden. Seltsamerweise spreche ich jedes meiner Sprachen korrekter, wenn ich keine Angst davor habe Fehler zu machen. Und so lerne ich auch neue Sprachen. Die Freiheitsebene. Zu Beginn spreche ich vielleicht nicht alles korrekt aus, aber das ist nicht schlimm. Der Prozess des richtigen Lernens ist das System einer Sprache auf natürliche Art zu erfassen und nicht etwa durch Pauken. Ich erschließe mir zum Beispiel Sprachen Anfangs immer durch Zuhören wie ein Kind. Danach kommt das Pauken und dann ergeben alle Dinge ein Sinn.

Wer übrigens spielend Sprache lernen möchte, kann sich von Amelung Design Sprachlern-Spiel Lingua Simplex besorgen. Dieses tolle 2014 mit dem Reddot Award ausgezeichnete Spiel kann man bereits mit Kindern ab 6 spielen. Es ist in 5 Sprachen erhältlich.

sprache-spielend-lernen

Das erlernen der Sprachen macht nicht vergesslich, aber die Angst davor etwas Falsch zu machen! Wenn man frei lernt und Spass daran hat, verankern sich die Informationen ein Leben lang. Seltsam dass das Schulsystem nicht so funktioniert….aber das ist ein anderes Thema über das ich noch berichten möchte.

Schaut Euch auch meinen Post über Multilinguale Erziehung an:

https://charmeundmelone.wordpress.com/2015/06/24/raising-children-multi-lingualy/

Atā!
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Ein Kommentar zu “Was Hirn mit Sprache und Sprache mit Hirn macht

  1. Pingback: Raising children multi-lingualy | Charme und Melone

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