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Jeder ist ein Genie. Aber wenn du einen Fisch nach seiner Fähigkeit beurteilst, einen Baum hochzusteigen, wird er sein ganzes Leben lang glauben, er sei dumm. – Albert Einstein

„Eigentlich ist es gut, einen Ort zu haben, an dem man kostenlos etwas lernen kann“, erklärt Semjon, Freilerner aus Brandenburg . Grundsätzlich sei das ein hohes Gut. Der Zwang aber mache es kaputt. –Quelle http://www.tagesspiegel.de/wissen/homeschooling-bei-wissentests-schneiden-die-freilerner-oft-gut-ab/10294690-2.html

Auch geflüchtete Kinder finden hier wieder zur Ruhe und können endlich wieder lachen unter Ihresgleichen. Denn auch für Flüchtlingskinder herrscht Schulpflicht.

In Deutschland soll es rund 1000 Freilerner geben. Die Gründe dafür sind vielfältig. Manchmal haben die Kinder sich an einer oder mehreren Schulen nicht zurechtgefunden, weil sie soziale Probleme hatten oder die Unterrichtsform nicht auf sie oder ihren Entwicklungsstand passte. Andere Eltern sind vom Schulsystem grundsätzlich nicht überzeugt und halten den Unterricht zu Hause für selbstbestimmter und besser. Die Zahl der Homeschooler, die aus religiösen Gründen der Schule den Rücken kehren ist verschwindend gering, auch wenn dies medial ausgeschlachtet wird.

Warum hält Deutschland so standhaft an der Schulpflicht fest? Der Grund dafür ist in der Industrialisierung zu finden. Die Rate für Kinderarbeit war zu dieser Zeit hoch. Und um dies zu verhindern wurde unter anderem die Schulpflicht eingeführt. Seither hat sich allerdings einiges geändert. Und in meinen Augen verhindert Schulpflicht nicht Kinderarbeit. Kinderarbeit verhindert jedoch Bildung.

Norwegen, Österreich, Dänemark, Großbritannien, Frankreich, Irland, Schweiz, Polen, Ungarn, Belgien, Italien. Dies ist die Liste der Europäischen Länder in denen Homeschooling möglich und erlaubt ist, weil Nicht Schule sondern Bildung Pflicht sind. Deutschland zählt nicht dazu. Warum?

Für mich ist die Entscheidung darüber, ob mein Kind zur Schule geht oder nicht, keine Frage sondern viel mehr ein Freiheitsrecht. Es schränkt die allgemeine Handlungsfreiheit ein! In städtischen Schulen, so wie sie heute sind, kann manch ein Kind sich nicht persönlich entfalten. Und als Mutter muss ich sagen, dass unsere Kinder bereits auf Stress und Burnout getrimmt werden. Mich stört das Konzept Schule an sich nicht, aber die Umsetzung. Ein Konzept, dass sowohl Schule als auch Freilernen an machen Tagen zulässt zum Beispiel, könnte doch eine Alternative sein? Vielleicht würde das auch den Übergang zum Homeschooling vereinfachen?

In Deutschland herrscht aber nicht Bildungs-, sondern Schulpflicht. Und wer dieser entgehen will, der muss eine Krankheit vortäuschen, seinen Wohnsitz offiziell ins Ausland verlegen oder das Kind polizeilich abmelden und hoffen, dass niemand Fragen stellt. Manche halten es sogar geheim. Man bewegt sich immer in der Grauzone und geht die Gefahr ein irgendwann von der Polizei in die Schule eskortiert zu werden. Wie kleine Kriminelle! (Einen interessanten Link dazu findet Ihr hier: http://www.netzwerk-bildungsfreiheit.de/pdf/Geschichte_Schulzwang.pdf)

Drei Fragen stellen sich immer wieder die Freilern-Gegner. Schneiden Homeschooler oder viel mehr Freilerner durchschnittlich besser ab? Und sind sie sozial genau so gut integriert wie Kinder, die an normalen Schulen gelernt haben bzw lernen? Aber die Frage, ob ein Kind selbst frei entscheiden kann, ob es zur Schule gehen oder zu Hause lernen möchte, ist auch wichtig! Denn letztendlich muss das Kind mit dieser Entscheidung leben können. Dies sind immer die K.O.-Argumente, die ich gerne unter die Lupe nehme!

Dazu aber gleich. Erst einmal zur Rechtslage der Schulpflicht in Deutschland und deren geschichtlichen Ursprünge (Ihr könnt den Part aber auch gerne überspringen):

Nach Anfängen im 16. Jahrhundert wurde die Allgemeine Schulpflicht im 17. Jahrhundert in Sachsen-Gotha (1642), Braunschweig-Wolfenbüttel (1647) und Württemberg (1649) eingeführt. Im 18. Jahrhundert folgte Preußen (1717), wo es bis 1918 zwar eine Unterrichtspflicht, aber keine Schulpflicht gab. Zuletzt führte Sachsen 1835 die allgemeine Schulpflicht ein, 1919 wurde sie in der Weimarer Verfassung einheitlich für ganz Deutschland festgeschrieben. Das Gesetz über die Schulpflicht im Deutschen Reich wurde am 6.Juli 1938 erlassen.

Außerhalb Deutschlands bietet die Bildungspflicht, die mit Hausunterricht („Homeschooling“) oder eigenständigem Unterricht (Unschooling) erfüllt werden kann, die Alternative zur allgemeinen Schulpflicht. In diesem Ansatz wird Bildung im positiven Sinne auf das vorhandene Verantwortungsbewusstsein der Eltern und Erziehungsberechtigten ausgerichtet.

Die Schulpflicht wurde im Laufe ihrer Geschichte immer wieder kritisiert. Von konservativ-religiöser Seite werden der soziale Umgang und einzelne Unterrichtsinhalte (wie z. B. der Schwimmunterricht, die Sexualkunde oder die Evolutionstheorie) abgelehnt. Von Libertären und Anarchisten wird die Schulpflicht als unzulässiger Eingriff in die Rechte und Freiheiten von Eltern und Kindern abgelehnt und als Instrument der Herrschenden zur Indoktrination von Menschen kritisiert.

Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung Vernor Muñoz äußerte sich in seinem in Berlin veröffentlichten Bericht vom 21. Februar 2006 besorgt darüber, dass die restriktive deutsche Schulpflicht die Inanspruchnahme des Rechtes auf Bildung mittels alternativer Lernformen wie Hausunterricht kriminalisiert. Hochschulpräsident Dieter Lenzen kritisiert, Deutschland halte als nahezu einziges Land der westlichen Welt an einer rigiden Schulanwesenheitspflicht fest, anstatt die Schulpflicht zu einer Bildungspflicht mit umfassender Orts- und Methodenfreiheit weiterzuentwickeln.

Der amerikanische Entwicklungspsychologe Peter Gray bezeichnet die Schule mit ihrem Zwang zur unfreiwilligen Anwesenheit als Gefängnis.

Zur Geschichte, Durchsetzung und Rechtslage der Schulpflicht könnt Ihr en detail mehr unter Wikipedia lesen.

 

Schneiden Freilerner/ Homeschooler besser ab?

Das Homeschooler durchschnittlich in Wissenstests besser abschneiden belegte eine in 2009 groß angelegte Studie aus den USA. Knapp 12 000 Schüler, die zu Hause unterrichtet wurden, haben demnach in drei Leistungstests besser abgeschnitten als beschulte Schüler. Getestet wurden Lesekompetenzen, sprachliche, naturwissenschaftliche und mathematische Fähigkeiten und die Kompetenzen in den gesellschaftlichen Fächern. Schüler, die zu Hause unterrichtet wurden, erreichten in jedem dieser Bereiche durchschnittlich 84 oder mehr Prozent, am Schulunterricht teilnehmende Schüler erzielten im Schnitt nur rund 50 Prozent.

 

Sind Freilerner/ Homeschooler sozial gut integriert?

„Ein wichtiger Aspekt in der kindlichen Entwicklung ist die soziale Kompetenz. Wenn Sie sich für das Lernen zu Hause interessieren oder es bereits selbst praktizieren, ist es sehr wahrscheinlich dass Sie auf den Punkt der Sozialisation angesprochen und besorgt gefragt werden, ob Kinder, die zu Hause unterrichtet werden nicht einen gravierenden Nachteil haben, weil sie mehr Zeit als andere Kinder mit ihren Familien statt mit Gleichaltrigen verbringen. Dabei gilt es als ein unumstössliches gesellschaftliches Dogma, dass Kinder möglichst viel Zeit und Umgang in Gruppen Gleichaltriger verbringen müssen, um soziale Fähigkeiten zu erlernen.
Gleichzeitig wird jedoch von verschiedensten Seiten eine fehlende Primärsozialisation und ein zunehmender Werteverfall beklagt. Fast jede Woche ist von Gewalt gegen Schüler und Lehrer an öffentlichen Schulen zu lesen. Mobbing und Aggressivität der Schüler untereinander nehmen erschreckend zu. Folgt man der Meinung der Bildungspolitiker und der Gerichte, so müssten die Schulen eigentlich aber voll von rücksichtsvollen, höflichen und gut sozialisierten Menschen sein, da angeblich nur dort eine optimale Sozialisierung gewährleistet sei. Die Realität sieht allerdings ein wenig anders aus.“ –Quelle http://www.hausunterricht.org/homeschooling-sozialisation

Freilerner sitzen nicht zu Hause und lassen sich von Ihren Eltern frontal berieseln. Freilerner organisieren sich untereinander und bekommen die Gelegenheit zusammen in verschiedenen Altersgruppen zu interagieren. Diese Gruppen sind nicht Altershomogen sondern -heterogen, was einen großen Vorteil gegenüber städtischen Schulklassen bildet. Freilerner nehmen Nachmittags genau so wie normale Schüler an Sport-, Musik und Kunstangeboten teil.

Auch Freilerner haben Hobbies 😉

Und ehrlich gesagt sind Freilerner Nachmittags nicht so ausgepowert, wie andere Schüler, die sogar lieber zu Hause bleiben wollen, statt noch zum Cellounterricht, Fussball oder Klettern zu gehen.

Freilerner gehen in Vereine, Clubs und Jugendtreffs. Sie engagieren sich ausserdem sozial.

Woher ich das weiß? Ich beobachte meine Kinder, die in die Schule gehen und verfolge Freilerner, die ich persönlich kenne oder oft in sozialen Netzwerken befrage.

Ich glaube damit wäre die zweite Frage irgendwie beantwortet oder???

 

Haben Kinder Entscheidungsfreiheit? Haben sie sich tatsächlich selbst für oder gegen Schule entschieden?

Glaubt man Freilernern, so sind die Kinder immer der Grund, warum gemeinsam eine Alternative gesucht wird. Man könnte auch umgekehrt fragen: Haben Kinder sich wirklich selbst für Schule entschieden. Diese Freiheit wird ihnen genommen. Einige sagen jetzt, sie sind noch gar nicht in der Lage dies für sich zu entscheiden. Ich glaube, dass es aber spätestens nach einem Jahr klar wird, ob ein Kind in das Konzept Schule passt. Wenn das Kind nach etlichen Schulwechseln sich immer noch unwohl fühlt, dann stimmt nicht zwangsläufig etwas mit dem Kind nicht.

Vielleicht hat das Kind Begabungen, vielleicht ist das Kind empfindlich. Aber ist es nicht besser das Kind dann in häuslicher Obhut zu unterrichten und es langsam an soziale Netzwerke zu gewöhnen. Anstatt es zu behandeln, als sei es krank, nur weil es sich nicht sozial integrieren kann oder weil es langsamer ist, oder weil es hochbegabt ist. Unsere Gesellschaft betreibt mit solchen Maßnahmen eine Auslese, die ich schlimm finde. Klassen überspringen oder sitzen bleiben gehören für mich zur sozialen Beschneidung des Kindes! All das hat nichts mit Entscheidungsfreiheit zu tun. Schule ist immer wertend! Und das ist in meinen Augen ungesund.

Freilernen hingegen könnten durch Ämter kontrolliert werden. Schnell würde sich heraus stellen, ob ein Kind wirklich Freilerner sein möchte.

Meine Kinder sind keine Freilerner, nein, die Möglichkeit dazu haben wir nicht. Aber gäbe es ein Mischkonzept und Elterngeld für Lehrjahre, so wäre ich die Erste, die sich dafür entscheiden würde.

Mir geht es nicht darum, dass alle Kinder zu Hause lernen sollen, sondern das alle Kinder, wenn es gewünscht ist und gewährleistet werden kann, das sie lernen, zu Hause auch lernen dürfen! Bzw sich für einen alternativen Weg entscheiden dürfen. Wir sind in einem Zeitalter, in dem Nichtlernen kaum noch möglich ist! Klar gibt es noch Elend, Kinderarbeit, Dyskalkulie, Dyslexie, ADHS, ADS, AUTISMUS, ASPERGER, HOCHBEGABUNG und vieles mehr. Schulzwang kann dies aber nicht bekämpfen. Viel mehr aber eine adäquate, individuelle Bildung.

Es gibt alternative Ideen. Wir brauchen von Grund auf eine Umstrukturierung unseres Schulsystems, denn ein Ort, an dem man kostenlos etwas lernen kann, den gibt es nicht. Das muss sich ändern! Schule kostet nämlich sehr wohl etwas. Nicht nur Geld, sondern auch die Begabungen unserer Kinder!

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2 Kommentare zu “School Report

  1. Solange in den Regelschulen nicht die Möglichkeit besteht, jedes Kind so anzunehmen, wie es ist, dürfte es keine Schulpflicht geben. Es gibt so viele Kinder, die aufgrund einer kleinen Besonderheit nicht in das Schulsystem passen. Heutzutage geht es nicht darum, wie intelligent ein Kind ist, sondern wie angepasst es ist. Ich finde das ziemlich traurig.
    Liebe Grüße,
    Isabelle

    Gefällt 1 Person

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