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Wie in meinem letzten Beitrag (Mein BarCamp Bonn – Teil 1) versprochen, möchte ich meine Eindrücke vom BarCamp Bonn 2018 vervollständigen.

Nach der ersten Session HipHop von Sascha Verlan, über den ihr euch im Übrigen auch auf der Seite http://kulturelle-stoergeraeusche.de weiter informieren könnt, habe ich selbst eine Session angeboten.

Passend zum Thema „Bildung“ hatte ich mich kurzfristig für folgendes Thema entschieden:

>“Kinder brauchen Helden“ – (digital) Storytelling im Unterricht< 

Kinder brauchen Helden_StoryAtelier BarCamp Bonn.png

Zwei Dinge waren mir wichtig:

1. Mit der Methodik der Heldenreise bekannt machen und

2. Das Potenzial von digital Storytelling im Unterricht aufzeigen

Natürlich ist Storytelling nicht nur für Kinder wertvoll, sondern für ALLE

Wie erwartet gab es einige Reaktionen zur Begrifflichkeit „Held“

Ja, ich gebe euch recht, der Heldenbegriff wird vor allem in der Filmindustrie stereotypisiert. Und das muss sich ändern. Doch diese Heldendarstellung entspringt einer kapitalistischen, männlich dominierten Anschauung, in der nur der Stärkste überlebt. Dies ist nicht dem Monomythos der Heldenreise zuzuschreiben.

Ich möchte hier noch mal vorweg nehmen, dass mit Heldenreise natürlich auch die Heldinnenreise gemeint ist. Aus diesem Grunde habe ich mich innerhalb meines Blogbeitrages dafür entschieden, Campbells Heldenreise in „Die heldenhafte Reise des Menschen“ umzubenennen.

Der Begriff der Heldenreise ist als Metapher zu verstehen für den „hindernisreichen Weg des Menschen zu sich selbst“. Die eine Definition der Heldinnen/enreise gibt es nicht. Für eine kurze, eindeutige Definition ist eine Heldinnen/enreise zu vielschichtig und variantenreich und jeder setzt seine eigenen Schwerpunkte. Auch die/den eine/n Heldin/en gibt es nicht. So gibt es beispielsweise auch Anti-Helden/innen, Charaktere, die im Verlauf der Geschichte nicht immer als Sieger hervorgehen.

Der amerikanische Mythenforscher Joseph Campbell entdeckte, dass die großen Märchen und Mythen eine bestimmte Struktur aufweisen – die heldenhafte Reise des Menschen. Es scheint als wären dort archetypische Muster verankert, die einen festen Platz in der Struktur der Psyche eines jeden Menschen haben. Campbell verglich verschiedene Mythen miteinander und kam zu dem Schluß, dass es trotz regionaler Besonderheiten in der Ausgestaltung der Mythen erstaunliche Übereinstimmungen gab.

„Der heldenreiche Weg des Menschen“ ist ein narrativer Ansatz. Es gibt viele verschiedene, ganz großartige Methoden und die „Heldinnen/en-Reise“ ist sicherlich komplex. Doch es umschreibt am genauesten die wichtigste Zutat einer guten Geschichte: Veränderung! Auch Wendepunkt genannt. Denn selbst ein/e Protagonist/in, der/die nicht als „Sieger/in“ hervorgeht, ist am Ende der Reise nicht mehr die/der Selbe. Sie/Er hat gelernt.

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Bereits in der ältesten schriftlich überlieferten Geschichte der Menschheit (dem über 4000 Jahre alten Gilgamesch-Epos) finden sich diese Muster wieder. Aber auch der „Froschkönig“, „Star Wars“, „Herr der Ringe“, „Harry Potter“, „Findet Nemo“, „Erin Brokovitch“ und zuletzt „Der seidene Faden“ folgen dem Muster der heldenhaften Reise. Und nicht nur Filme bedienen sich dieses Musters. Kunst, erfolgreiche Songtexte… und und und funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Auch bei der persönlichen Entwicklung kann diese Struktur helfen und sogar das BarCamp Bonn könnte man nach diesem Prinzip beschreiben. Probiert es mal aus. Es ist, als sei diese Struktur ein Code, der in unserer DNA verankert ist und uns zu dem macht, was wir sind: Menschen. In all unserer Unvoll-kommenheit, mit unseren Fehlern, Ängsten und auch unseren Alltagswehwehchen. Aber vor allem unseren Talenten und der unglaublichen Gabe immer wieder aufzustehen.

Der „Monomythos“ wird in 12 Etappen beschrieben.

Heldenreise.png

Diese 12 Etappen sind unendlich variabel. Manche Geschichten beginnen mit dem Vordringen in die tiefste Höhle, andere wiederum mit dem Überschreiten der ersten Schwelle. Jede/r Held/in durchlebt mehr oder weniger schwere Aufgaben, die es zu lösen gilt. Manche Aufgaben werden nie gelöst. Aber ein/e Held/in fällt und steht wieder auf.

Sie/Er durchläuft immer einen Veränderungsprozess. So, wie wir Menschen auch. Und selbst, wenn wir im realen Leben unseren Job verlieren, Existenzängste haben, krank werden, gehen wir am Ende als veränderte Persönlichkeiten weiter unseren Weg. Es liegt in unserer Natur Auswege zu finden. Handlungsfähig zu sein.

Überlegt mal, welchen Geschichten ihr am liebsten lauscht? Sind es die, in denen der Fall tief, der Weg steinig ist, oder die, in denen alles geradlinig verläuft? Woraus zieht ihr die meisten „learnings“?

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Ich möchte euch wärmstens einen Beitrag von Ron Kellermann (Medien- und Kommunikationswissenschafter) ans Herz legen, wenn ihr euch weitergehend mit diesem Thema befassen wollt.

Und folgenden Film:

 

In unserer Gesellschaft wird es immer schwerer dem eigenen Ruf zu folgen, daher ist es in meinen Augen so unendlich wichtig, dass Kinder bereits im Unterricht mit der „heldenhaften Reise des Menschen“ in Berührung kommen. Ob fiktiv oder real, die Erfahrungswerte einer Geschichte, die uns berührt, nehmen wir mit in unser eigenes Leben und sie können uns Orientierung liefern. Denn so funktioniert unser Hirn (siehe Grafik in meiner Präsentation).

Während meiner Session sprach ich auch von den verschiedenen Fallhöhen und den archetypischen Charakteren. Am besten ihr schaut euch die Präsentation an:

BarCampBonn Bildung_Kinder brauchen Helden.compressed

Zum Schluss habe ich Beispielvideos aus unserem Workshop an einer Realschule gezeigt, die ich euch leider hier nicht zeigen darf. Aber ich habe auch noch eine Übung mit allen gemacht. Ich bat die Teilnehmer eine Postkarte an ihr zukünftiges Ich zu schreiben. Einige hatten sogar den Mut sie vorzulesen. 🙂 Vielleicht habt ihr ja die Karte behalten? Holt sie doch einfach in einigen Jahren wieder heraus!

Vielen Dank an die vielen Teilnehmer. Ich hoffe Ihr konntet etwas mitnehmen? 🙂

Technisch lief alles wie geschmiert. Gott (hat leider kein Twitterhandle), Johannes und Sascha sei Dank 🙂

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Ausserdem möchte ich mich ja noch bei Oliver Kepka bedanken, der ein unglaublich tolles Bild von mir gemacht hat. Und sein Tweet hat „gebuzzed“ :-). Wie macht er das nur immer wieder??? Dazu erzähle ich euch dann etwas in meinem dritten Blogbeitrag zum BarCamp.


>Ich bin nicht Shakira<

Jetzt aber in meine vorletzte Session. Ich war >nicht bei Shakira<. Dafür aber bei der bezaubernden Karin Krubeck von Bonn Geht Essen, die uns Einblicke in ihre Social Media Strategie geben wollte.

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Die Bonner werden mich jetzt steinigen, aber ich wusste ja gar nicht, wie bekannt Karin in der Bonner Foodszene ist. Um so mehr ärgere ich mich darüber, dass ich nicht auch ein Selfie mit Ihr gemacht habe. Seit ihrer Session habe ich meine Hausaufgaben gemacht und folge ihr frisch auf ihrem Instagramaccount.

Ihr Account zeigt nicht die sonst so auf hochglanz getrimmten und gefilterten Foodbilder. Aber genau das macht den Charme dieser Seite aus. Hier hat man das Gefühl der Echtheit noch. Karin besucht auch nicht nur Sternerestaurants, nein, sie berichtet auch über den Dönerladen oder den Italiener von nebenan. Gute Küche und guter Service wird belohnt mit netten Worten und wirklich guten Insights, schlechte Küche wird mit einem Wink mit dem Zaunpfahl gerügt.

Man nimmt aber immer etwas mit und lernt so einiges, selbst wenn ein Restaurant dabei nicht mit einer Topbewertung wegkommt 🙂

Karin hat einfach irgendwann angefangen essen zu gehen und darüber zu schreiben. Und das hat sie scheinbar sehr gut gemacht, denn ihre Fans danken es ihr mit Follows und Likes. Der Blog ist großartig aufgebaut, nämlich nach Restaurants von A-Z oder nach Vierteln sortiert. Aber auch Ausflüge und Restaurants ausserhalb Bonn gibt es auf ihrer Seite. „Für die Einordnung bis 100km oder bis 300km nehme ich Luftlinie und nicht Straßenverbindungen.“

Ihre Strategie ist „Einfach machen“! So haben sich ihre Plattformen entwickelt und auch ihre Social Media Strategie. Heute hat sie Redaktionspläne. Einmal pro Tag geht Karin essen. Sie zahlt selbstverständlich selbst ihr Essen! Über Facebook gewinnt sie primär ihre Fans. Es gibt über ihren Blog monatliche Newsletter. Bei Twitter und Instagram postet sie, laut Aussage ohne Plan. Ich folge ihr ja jetzt auf Instagram und ich finde nicht, dass es planlos wirkt. Die Instastories sind auch toll, denn man bekommt fast life mit, wo sie gerade ist und was sie gerade isst 🙂

Ja, ja, die Redaktionspläne…da muss ich wieder an meine Arbeit denken und daran, dass auch ich vielleicht wieder mehr damit arbeiten sollte.

Rundum, war Karins Session sehr interessant und sympathisch. Am Ende geht es ihr immer um eins:

ESSEN!

Der liebe Hakan Cengiz hat aber auch noch Karin für die Popcorn Lounge interviewt:

Alle Interviews zum #bcbn18 mit Hakan könnt Ihr in der Popcorn Lounge sehen.

Hakan du rockst!

Da fällt mir auch ein, dass ich Hakan versprochen hatte ihn im Aquarium zu besuchen. Beim nächsten Mal, versprochen, bin ich dabei.


>Persönlichkeitsentwicklung<

Meine letzte Session am ersten BarCamp Bonn Tag. Für Stephanie Brauns Session >Persönlichkeitsentwicklung< entschied ich mich vor allem, weil ich Stephanie persönlich kenne und sehr schätze und weil dieses Thema sehr gut in meinen Storytelling-Fokus passt.

Stephanie habe ich 2017 auf dem LitCamp Bonn kennen gelernt. Damals hat sie eine offene Session angeboten, damit sich Blogger und Literaturliebhaber vernetzen können. In meinem Beitrag: „#LitCampBN17 und Headbanging“ könnt ihr mehr darüber lesen.

Stephanie hatte sich drei Fragen für den Anfang überlegt:

  • Wer bin ich? (3 Eigenschaften)
  • Wer war ich in meiner Jugend (3 Eigenschaften)
  • Wie bin ich zu dem geworden/ was hat dies gefördert/verursacht?

Diese drei Fragen konnte jeder für sich beantworten. Die Überlegung der ersten Fragen half uns dann im nächsten Schritt einen Einstieg zu folgenden Fragen zu finden:

  • Was braucht Persönlichkeitsentwicklung?
  • Wo kann Entwicklung stattfinden?
  • Welche Bedingungen fördern Entwicklung?

Natürlich variieren die Antworten von Erfahrung zu Erfahrung, denn das, was manch einer als positiv erlebt, muss nicht zwangsläufig auch für jemand anderen positiv gewesen sein.

Aber ganz wichtig fand ich, das sich auch Grundvorraussetzungen herauskristallisiert haben, um Entwicklung überhaupt möglich zu machen, wenn sie gewünscht ist.

Ich musste immer wieder an die Heldinnen/enreise denken (sorry kann nicht aus meiner Haut), denn so wie bei der Heldinnen/enreise von Campbell auch, durchläuft jeder Mensch Stadien der Persönlichkeitsentwicklung.

Zum Beispiel die Persönlichkeitsentwicklung nach Erikson vom Kindesalter bis ins hohe Alter: http://www.pflegewiki.de/wiki/Persönlichkeitsentwicklung_nach_Erikson

Aber auch innerhalb eines bestimmten Lebensabschnittes durchläuft man immer wieder Persönlichkeitsverändernde Momente. Diese müssen nicht unbedingt positiv sein. Manchmal sind diese Entwicklungen auch nicht gewünscht, aber sie verändern uns zwangsläufig. Die Frage ist, was wir daraus machen. Und welche Bedingungen wir brauchen, um etwas „Gutes“ daraus zu machen.

Die Session war großartig und ich habe viel Kopfarbeit mit nach Hause genommen.

Die Ergebnisse der Session hat Stephanie in ihrem Blogbeitrag: „Bildung und Inspiration auf dem BCBN18“ zusammen gefasst.

Ich würde mich unheimlich gerne noch mal mit Stephanie zusammen setzen und über  eine Workshopidee sprechen (Heldenreise/Storytelling meets Persönlichkeitsent-wicklung, oder so ähnlich).


Der erste Tag war voll gepackt mit tollen Inspirationen und meine heldenreiche BarCamp-Reise war schon fast zu Ende.

Dem Ruf zu mehr Wissen und einer größeren Vernetzung war ich mutig gefolgt, meine Mentoren Johannes und Sascha zeigten mir den rechten Weg, ich traf viele Verbündete und eigentlich keine Feinde, jedoch viele Menschen, die andere Meinung waren, was gut ist.

Das Vordringen in die tiefste Höhle ist immer wieder selbst auch eine Session zu halten und die Belohnung war natürlich der Reichtum an Inspirationen aber auch die Sause danach und die vielen tollen Gespräche, die ich mit vielen neuen Bekanntschaften hatte.

Aber das klingt jetzt alles so endgültig…ist es aber nicht, denn ich habe ja noch den zweiten BarCamp Tag vor mir, über den ich aber in meinem nächsten Blogbeitrag schreiben werde.

In dem erzähle ich Euch dann etwas zu meinen Sessions: Ukulele, Fakenews, Stimme/Betonung/Sprechen, Erfolgsfaktoren Social Media und Lass ma Zocken.

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Ein Kommentar zu “Mein BarCamp Bonn – Teil 2

  1. Pingback: Let's talk about ... Barcamp! | BarCamp Bonn

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