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Was lange währt, wird endlich gut. Mein letzter Beitrag zum #bcbn18 (BarCamp Bonn 2018) hat lange auf sich warten lassen. Im Nachhinein betrachtet ist das aber gar nicht schlecht, denn ich konnte meine Eindrücke noch mal sacken lassen.

Ein neuer Tag also, um sich zu vernetzen, auszutauschen und viele neue Impulse zu bekommen. Aber vor allem, um viele neue BarCamp-Liebhaber kennen zu lernen und Langzeit-Liebhaber wieder zu sehen. Bereits der erste Tag, mit dem Schwerpunkt Bildung bot so einiges und der zweite Tag, der themenoffen war, stand dem in Nichts nach.

Ich wusste bereits, dass die zwei Ukulele-Jungs Uwe und Walid eine Ukulele-Session anbieten würden, also packte ich vorsichtshalber auch meine ein.

Um 9 Uhr war schon Einlass. Gut versorgt durch das Bonn.digital-Duo Sascha und Johannes, mit einem warmen Kaffee und einer Lunchtüte, trafen wir uns alle um 10 Uhr im Vorlesungssaal der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, Campus St. Augustin. Es gab viele neue Gesichter und einige bekannte vom Vortag.

Der Andrang der Sessiongeber war groß. Ca. die Hälfte der Teilnehmer bot etwas an.

Das Angebot war wie immer spannend und die Entscheidung fiel schwer, aber: no pain, no gain! Ich musste mich wohl oder übel für einige Sessions entscheiden. Sonst hat man aber auch noch die Möglichkeit auf Sessionhopping zu gehen.

Für meine erste Session hatte ich mich ja bereits festgelegt:

Ukulele in 45 Minuten

Uwe und Walid hatten 25 Ukulelen dabei und das war auch nötig, denn die Session war sehr gut besucht. Die beiden erklärten uns kurz wie eine solche Ukulele aufgebaut ist, welche Saiten es gibt und zeigten uns die verschiedenen Ukulelearten.

Das schöne am Ukulele-Spielen ist, dass man bereits mit wenigen Griffen viele der gängigen Evergreens spielen kann.

Und das haben wir dann auch gemacht. In wenigen Minuten konnten alle Teilnehmer die ersten Liedchen schrammen.

Aber Ukulele-Spielen, so einfach es auch ist, hinterlässt Spuren.

„Keine Sorge“, Uwe versichert uns, das nach einiger Zeit des Übens sich „Spieler-Hornhaut“ bildet…na dann 😏🙄

Let’s rock on 🤘

Es war eine tolle Session und ich werde weiter üben. Wer das auch noch gerne möchte, kann sich mir und dem Duo anschließen und an einem der vielen Ukulele-Stammtische teilnehmen.


Für meine zweite Session-Runde entschied ich mich für Christian Bell’s

Fake News und die Verantwortung der Medien

Das Thema beschäftigt mich unheimlich, denn ich gehöre zu den Querbeet-Lesern, dessen Vertrauen den Medien gegenüber seit einiger Zeit ins Wanken geraten ist. Ausserdem hält meine StoryAtelier-Partnerin Astrid im Juni auf der BeyondStorytelling Konferenz einen Workshop zum Thema, daher wollte ich noch weiteren Input einfangen.

Die offene Diskussion verlief friedlich, auch wenn man recht schnell erkennen konnte, dass es drei Lager gab:

  1. Die, die den Öffentlich-Rechtlichen vollstes Vertrauen schenken
  2. Die, die den Öffentlich-Rechtlichen nur noch bedingt trauen und
  3. Die, die den Öffentlich-Rechtlichen überhaupt nicht trauen

Ich gehöre zu Nummer 2 mit einer leider immer stärker werdenden Tendenz zu 3.

Was nicht heißt, dass ich den anderen Medien mehr traue.

Die Diskussion hat mich stark aufgewühlt und mir fehlten etwas die Worte… Hätte ich mich emotional darauf vorbereiten können, wären mir sicher noch viel mehr Argumente eingefallen, als „Die Öffentlich-Rechtlichen stehen auch unter Druck und sind an Einschaltquoten, Zuhörer- und Leserschaft gebunden“.  Aber spontane Session sind eben spontan.

Wir sprachen viel darüber, wie wichtig es sei multiperspektivisch Inhalte zu analysieren und eine breite Quellenbasis zu nutzen. Aber auch eine Vielfalt an Interpretationen zuzulassen, vor allem davon ausgehend, dass alle Interpretationen Gemeinsamkeiten haben können. Wir leben nicht in einer monokulturellen Gesellschaft. Es gibt nicht nur ein Wertesystem. Deshalb ist bei einer multiperspektivischen Analyse nicht nur der Inhalt an sich zu betrachten, sondern auch die Hintergründe. Vor allem in der Social Media Welt, die keine kulturellen Grenzen hat und als riesen Resonanzkörper dient.

In manchen Fällen sind Informationen erstunken und erlogen und je emotionaler diese Informationen verpackt werden, desto größer ist die Gefahr, dass diese wie ein Lauffeuer weiter gegeben, geteilt und geliked werden.

In den meisten Fällen geht es aber nicht um Lügen, sondern schlicht und ergreifend um verzerrt dargestellte Fakten. Wie schützen wir uns davor? Wie erkennen wir was schon Meinung und was noch Fakt ist? Kritisches Lesen, differenziertes Vergleichen verschiedener Quellen und ein offener Diskurs waren die Worte, die fielen.

Wir waren uns einig, dass in der Bildung das Thema etwas zu kurz kommt, dabei möchten gerade Kinder verstehen, was Lüge, was Wahrheit ist und warum es so etwas wie Lüge gibt. Als Mutter zweier Kinder weiss ich all zu gut, wie schwer es Kindern manchmal fällt einen Perspektivwechsel vorzunehmen.

Ich persönlich finde es wichtig darüber nach zu denken, welche Absicht Absender von Fake News haben könnten und diese den Folgen der Falschinformation gegenüber zu stellen. Daraus ergibt sich die Frage, welche Herkunft, welche Kultur, welche geschichtlichen Hintergründe und welche ethischen und moralischen Grundsätze, vielleicht auch welche Neurosen zugrunde liegen. Aus welcher Perspektive schreibt der Absender. Ich bin kein Freund des Wortes: Fake News. Dieses Wort geht sehr stark von der Empfindung des Empfängers aus. In jeder Perspektive liegt ein Antrieb verborgen. Diesen zu heben, zu verstehen, sollte unsere Aufgabe sein, um eine lösungsorientierende Grundlage zu schaffen.

Im Storytelling beschäftigen wir uns oft mit dem Thema Fiktion vs. Realität. Fiktion entspringt der Realität und spiegelt sehr oft eine Gegenwärtigkeit wieder. Zum Beispiel der Hobbit von Tolkien, der das Buch schrieb, als sein Sohn in den Krieg zog und davon überzeugt war, dass die wahren Helden die ganz normalen Menschen waren.

Es geht aber auch umgekehrt. Realität kann verzerrt wiedergegeben werden. Ein gutes Beispiel dafür ist der Film „Hotel Ruanda“. In typischer Hollywoodmanier wird der Protagonist Paul Rusesbagina als großer Held gefeiert. Die Kritiken wurden in den Medien laut, als heraus kam, dass Rusesbagina vor allem Profit aus dem Völkermord geschlagen hat. Und da kommen wir wieder um das Thema Ursache, Absicht, Folge nicht drumherum. Denn wenn der Film etwas geschafft hat, dann ist es auf die Situation der Tutsis aufmerksam zu machen und das weltweit. Dieses Beispiel zeigt, dass auch die Fiktion einen hohen Realitätsbezug haben kann, der unter Umständen sogar besser geeignet ist, Anteilnahme und Interesse an einem realen Ereignis zu erzeugen.

Verzerrung, wenn es dem größeren Ganzen dient…kann man das noch als Fake News bezeichnen? Vielleicht eher als Different Perspective News?

Wir sprachen auch darüber, dass in den Medien gelegentlich Meinung und Fakt nicht mehr ganz stringent auseinander zu halten sind. Der allgemeine Vorschlag war, dass dies in Zeitungen besser gekennzeichnet werden sollte.

Wer sich noch stärker der Thematik widmen möchte, kann Christians Buchempfehlungen folgen.

Es war eine tolle, aufwühlende, zum Denken anregende Session und Christian hat seine Moderatorenaufgabe hervorragend gemeistert. Jeder kam zu Wort, jeder wurde gehört…vielen Dank Christian. Ich hätte mich liebend gerne mit allen weiter unterhalten.


Nach einer kurzen Pause und einem leckeren Essen kam ich leider verspätet in meine dritte Session:

Almut Schnerrings Session: Stimme, Betonung, Sprechen

Es war ganz und gar nicht langweilig 🙂 Es war sogar sehr lehrreich, spannend aufbereitet und interaktiv.

Almut erklärte uns wie Betonung den Inhalt einer Nachricht verändern kann und wie sehr uns die eigene Stimmung beeinflusst in der Betonung. Wenn jemand am Vortag spät ins Bett gekommen ist…das hat Auswirkungen auf die Stimmlage. Interessant dachte ich mir. Die Worte Stimmung und Stimme teilen sich also nicht nur die ersten 5 Buchstaben. Sondern es gibt tatsächlich einen Zusammenhang.

Wer also Vorträge hält, im Radio spricht oder eine Vorstellungsgespräch hat, sollte früh ins Bett gehen… oder, wie Almut empfiehlt Stimm- und Atemübungen machen.

Aber bei Stimmung und Betonung hört es nicht auf. Auch kleine Nuancen in der Lautstärke, den Pausen, im Melodieverlauf und der Dehnung können beim Vorlesen Auswirkungen darauf haben, ob der Zuhörer wegknickt oder gefesselt zuhört.

Um es mal selbst zu probieren, teilte Almut uns kleine Zettel aus.

Auf jedem der Zettel, stand ein Anfangssatz, den wir dann mit einem Nebensatz ergänzen mussten, den sie uns vorgab.

Zum Beispiel:

Vorgegebener Satz: Sie hat einen neuen Pulli

Beispielsätze auf den Zetteln:

  1. Meine Güte ist das langweilig….
  2. Ach nein, ist das schön…
  3. Jetzt endlich fällt es mir ein…

Jeder von uns sollte versuchen seinen Satz mit dem vorgegebenen Satz zu vervollständigen und dabei auf Betonung, Stimmung, Lautstärke, Pausen etc. zu achten.

Eine lustige Übung…die ich dann direkt zu Hause mit den Kindern gemacht habe.

Es war eine tolle Session und ich hätte gerne mehr mitbekommen und noch mehr darüber erfahren. Glücklicherweise hat Almut dann auf Twitter einen Artikel und einen Nachtrag gepostet:


Nach dem Stimmtraining erst mal etwas Saccharose. Die gab es in Form von Kuchen.


Nach der Stärkung musste ich mich schnell für eine Session entscheiden. Obwohl ich Oliver Kepkas Geheimrezept für erfolgreiches Social Media bereits im BonnLab kennen lernen durfte, entschied ich mich dennoch für seine Session:

Erfolgsfaktoren in Social Media

Und es war kein Fehler, denn es gab ein paar neue Einblicke und Oliver war auf Hochtouren. Auf amüsante Art und höchst lehrreiche Weise brachte er uns, anhand praktischer sowie Worst und Best Practice Beispielen, die wichtigsten Zutaten für erfolgreiches Social Media näher.

Olivers Gespür für wichtige Themen und das Bedürfnis der Kunden über ein Produkt oder eine Dienstleistung hinaus bedient zu werden und einen Mehrwert daraus zu ziehen, zahlt sich aus.

Und als wäre Social Media nicht schon schwer genug zu beherrschen, Oliver knackt sogar das totgesagte Google+. Für die Privatpraxis am Park in Bonn kuratiert er den Psychologie Fachkanal auf erwähnter Plattform. Eine Sammlung von aktuellen und spannenden Themen rund um Psychologie. Oliver findet spannende Artikel, setzt unter Umständen ein neues Bild, präzisiert die Überschrift, trägt relevante Hashtags ein und nennt die Ursprungsquelle und…erntet mehr Interaktion als die Absender der Ursprungsquelle.

Sein Geheimrezept besteht aus 17 Zutaten. Einige von ihnen hat er uns beim BarCamp präsentiert und 10 von ihnen teile ich gerne mit euch. Im BonnLab war ich schnell genug Fotos von seiner tollen Präsentation zu machen 😉 Ich hoffe Oliver, Du bist mir nicht böse 🙂

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Auf alle einzelnen Punkte einzugehen, würde meinen Blogbeitrag sprengen, aber wer neugierig geworden ist und gerne mehr erfahren möchte, der kann sich bei der Bonn.Academy zu Olivers Fortbildungskurs anmelden.

Eine kleine Überraschung gab es noch für mich…daher war ich froh, mich doch für seine Session entschieden zu haben. Oliver war der tolle Fotograf hinter meinem Foto hier unten links, für das er viele Likes, Retweets und weitere Interaktionen geerntet hat. Er zeigte es unter anderem als Best Practice Beispiel. Freu ☺️🙈

Vielen lieben Dank Oliver, dass Du immer nach dem „Kompetenzen hat man, Wissen teilt man“- Prinzip handelst. Wir haben noch soooo viel zu lernen. Die richtigen Zutaten haben wir jetzt…..wir müssen sie nur noch internalisieren und „richtig“ anwenden! Ein Rezept macht noch keinen Meisterkoch. Aber es ist immer gut vom Meisterkoch zu lernen! 👨‍🍳


Nach so viel Kopfarbeit brauchte ich etwas Training…also entschied ich mich für Tims Session:

Lass‘ ma zocken

Das spannende an der Session, war nicht etwa nur das Zocken. Über Remoteplay haben wir uns mit Tims PS4™-System (das zu Hause stand) verbunden.

Leider funktionierte die Verbindung nicht auf Anhieb

Aber wir haben keine Däumchen gedreht, denn Pia war mit ihrem Sohn da. Und während versucht wurde die Verbindung mit der Playstation herzustellen, erklärte uns der junge Mann, wie Minecraft funktioniert. Wir waren fleißig und haben in Minecraft Kuchen gebacken, Portale gebaut und versucht mich aus einer Notlage herauszumanövrieren…aber leider stecke ich immer noch in dieser Zwischenwelt fest. Geros Profitipp an dieser Stelle: „Du musst sterben um wieder frei zu sein“ 🙂 Ich weiss nicht warum ich da an Star Wars denken musste.

Als es dann definitiv nicht klappte mit der Verbindung, mussten wir zu härteren Maßnahmen greifen. Wir sind umgezogen in das Experimentelle Labor…

Und dann passierte das Wunder…wir waren drin. In Tims Playsi.

Wir zockten noch eine Weile StarWars Battlefront 2 und packten dann unsere Sachen zusammen, um zur Abschiedsrunde zu gehen.

Danke Tim für Deine Session. Das Warten hat sich gelohnt…allerdings muss ich jetzt meinem Sohn eine Playstation 4 besorgen, sonst wird das nichts mit dem Remoteplay 🙂



Das war’s, das BarCamp 2018 neigt sich dem Ende. Es war eine tolle Erfahrung, ich habe wieder so viele Inspirationen mitgenommen, den Wunsch weiter Ukulele zu üben, mich noch tiefer der Thematik von Fake News zu widmen, an meiner Stimme und Betonung zu arbeiten, Olivers Rezept für erfolgreiches Social Media zu nutzen und eine Playstation 4 zu kaufen. Aber was ich vor allem genossen habe, ist neue Menschen kennen zu lernen und mich mit Bekannten auszutauschen. Denn am Ende geht es vor allem darum beim BarCamp…

Aber das BarCamp wäre niemals so erfolgreich gewesen, ohne die Sponsoren.

Und ohne das Bonn.digital Duo Sascha und Johannes, denen ich von Herzen danken möchte, gäbe es gar kein BarCamp Bonn.

Merci und hoffentlich bis zum nächsten Mal.

 

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2 Kommentare zu “Mein BarCamp Bonn – Teil 3

  1. Pingback: Let's talk about ... Barcamp! | BarCamp Bonn

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